Das Interview

Stefano – ich habe mich gefragt: Du bist gelernter Möbeltischler. Wie kommt es, dass Du heute Designerküchen baust und keine Designermöbel?

 

Da muss ich ein bisschen ausholen. Durch meinen Pflegevater kam ich mit 13, 14 Jahren in Kontakt mit dem Handwerk. Damals war das ganz normal, dass man Samstag morgens auf irgendwelchen Baustellen von Bekannten war; Böden legen, Türen setzen, irgendwas reparieren. Klar, dann macht man die Ausbildung zum Möbeltischler und – was wir auch viel gemacht haben, war Restauration von Möbeln. Das war sehr interessant! Man hat alte Möbel wiederbelebt, zu neuem Glanz gebracht. Danach war ich viel in halb Europa unterwegs und habe 22 Jahre lang für eine Firma Messen oder Läden aufgebaut. Als ich mich selbstständig gemacht habe, sind hauptsächlich italienische Firmen auf mich zugekommen; und mit denen ist zum Planerischen auch das Gestalterische hinzugekommen. Mir ist zugute gekommen, dass ich handwerklich sehr begabt bin und vieles über die unterschiedlichen Materialien wusste, welche Ausführungen möglich sind. So konnte ich viele Bereiche abdecken und das Vertrauen meiner Kunden gewinnen. 


Was war denn der Wendepunkt? Wann hast Du gesagt, Möbel interessieren mich jetzt doch nicht so sehr, Küchen nach Maß interessieren mich mehr?

 

2007 war so ein Wendepunkt. Ich konnte nicht mehr den klassischen Messe- oder Ladenbau machen, weil ich mehr Zeit mit meinen Kindern verbringen wollte und nicht mehr herumreisen wollte. Ich bin also zu einer großen Marke gegangen und habe dort Gesamtkonzepte für Wohnräume angeboten. Da habe ich erst gemerkt, dass die Leute eben nicht vom Maler zum Elektriker zum Sanitär rennen wollen – sie wollen gerne einen haben, der das alles abdeckt. Und ich dachte mir: Da ist Potenzial drin! Deshalb habe ich mich später spezialisiert – vom gesamten Wohnraum auf den Küchenbau, weil sich in den Küchen ja das meiste abspielt. 

Die Küche ist so ein bisschen das Herz des Haushalts, oder?

 

Die Küche IST das Herz des Haushalts. In den Küchen, da ist das Leben! Miteinander, Gesellschaft, Liebe, Harmonie – egal ob mit Familie oder mit Freunden, dort entstehen die meisten Geschichten! Drum ist für mich der Punkt: Gemütlichkeit und Geselligkeit in der Küche, das ist für mich das Nonplusultra! 

War das bei Dir zuhause auch so?

 

Ja! Wir hatten fast jeden zweiten Tag was los in der Küche. Das Gesellige stand bei uns schon immer an erster Stelle. Freunde einladen, Freunde bekochen – Gastfreundschaft wurde bei uns großgeschrieben. Das führen meine Kinder heute fort; und wir haben’s von meiner Mutter. Da gab’s um Punkt 13 Uhr Mittagessen; alle saßen zusammen in der Küche und haben geredet. 


Du bist ja zur Hälfte Italiener …

Ein Italo-Schwabe …

 

Genau. Was glaubst Du, wer hat da die Oberhand behalten – ist es eher der Schwabe oder der Italiener in Dir, der sich in der Küche so wohlfühlt?

 

Allora, come se dice: quando mi taglio esce il sangue italiano! Also wenn ich mich schneide, fließt italienisches Blut. Das Gastfreundliche stammt natürlich schon von Italien. Hinzu kommt dieser Perfektionismus – wobei ich den in Hamburg noch mehr kennengelernt habe. Ich versuche, beides zu verbinden: das Akkurate mit der Leichtigkeit. Schließlich muss der Kunde darin leben, und es ist doch schöner, wenn nicht alles so steril ist. 

Du hältst ja hier in Deinem Küchenstudio in Hamburg auch Events rund ums Kochen ab. Essen zu zelebrieren, das spielt für Dich eine große Rolle, oder?

 

Eine sehr große! Essen ist für mich: sich Zeit nehmen. Zeit ist das Wichtigste, und das kann man nicht kaufen. Zeit muss man sich nehmen. Und deshalb ist es bei mir so: Wenn ich Feierabend habe, dann koche ich mir mein Essen, öffne meinen Wein, setz mich hin und genieße die Ruhe. Man ist ja tagsüber so unter Spannung und unter Druck. Und ich finde, da muss man auch mal einen Punkt setzen und sagen: So, jetzt wird gegessen! Wie in Italien auch. Miteinander reden, essen und sich Zeit nehmen – das ist sowas von entspannend. 

 

Seit wann bist Du in Hamburg?

Seit 2016. 


Und wie hast Du dich gefühlt als Neu-Hamburger? War das ein totaler Kulturschock?

 

Nein, das nicht; dadurch, dass ich schon in vielen Ländern Europas rumgekommen war. Es war schon eine Umstellung, zu wissen: Hier bin ich jetzt für die nächsten Jahre; hier ist ein Gebäude, ein Schlüssel dazu, jetzt bau mal was auf! Aber Angst hatte ich keine, weil ich ein sehr umgänglicher Mensch bin und auf Leute zugehen kann. Es war eine Herausforderung, aber ich würde es immer wieder so machen. Ich habe so viele nette Leute kennengelernt und Freunde gefunden, die vorbeikommen, ganz unkompliziert, auf einen Kaffee oder einen Wein. Das meine ich mit der Leichtigkeit.

 

 

Aber Hamburg ist ja jetzt nicht Italien. Wie sieht’s denn in puncto Kulinarik aus in Hamburg?

 

Kulinarisch kannst du hier richtig viel machen. Ich habe so viele Köche hier kennengelernt; ich kann sie gar nicht alle aufzählen. Ob das vegetarisch oder vegan ist, persisch, asiatisch – hier hast du immens viele Möglichkeiten. Du kannst in Hamburg alles erleben! Ich denke schon, hier treffen sich die Besten. 

 

 

Und welchen Stellenwert hat für die Hamburger das Selberkochen, das Zusammenkommen in der Küche, das Gesellige, so wie Du es von früher kennst?

 

Ich glaube, das mögen die Hamburger am liebsten. Grob gesagt: Schickimicki gibt’s an jeder Ecke, aber diese Leichtigkeit und das Improvisieren mit entspannten Leuten, das ist doch das Schönste. Mit Freunden zusammen schnippeln, kochen und zwischendurch einen Wein trinken; und dann rückt die Feuerwehr an, weil der Rauchmelder überm Herd losgeht – solche Geschichten erlebst du nicht im „Crème de la Crème“! 

Ich habe mal spaßeshalber bei Google „Küchenstudio Hamburg“ eingegeben. Das ergibt ungefähr 2.700 Treffer. Was würdest Du sagen – empfindest Du die anderen 2699 als Konkurrenten oder hast Du das Gefühl, dass Du eine Nische ganz gut besetzt hast?

 

Konkurrenten gibt es nicht, das sind Mitbewerber. Und ich sag immer: Es gibt keine schlechte Küche; es gibt nur eine schlechte Küchenplanung. Bei mir läuft das so: Ich bewege mich weg von meinem Platz; ich komme zu dem Kunden in sein Haus und schau mir das an, messe es aus und schlage dann eine Lösung vor, die ich anschließend auch ausführe. Das ist dann schon ein Unterschied zu den anderen, die das Haus noch nie gesehen haben. Ich frage mich immer: Wie würde ich’s machen, wenn ich selbst dort einziehen würde? Ich schaue mir das vor Ort an – erst einmal unverbindlich – und werfe die ersten Ideen rein. Dann merke ich immer an der Reaktion meiner Kunden: Das hat bis jetzt noch niemand gemacht! Dadurch fassen sie Vertrauen. Meine Erfahrung spielt natürlich auch eine Rolle. Bei mir entstehen die Küchen am Reißbrett – nicht am PC. Kann man so eine Küche online planen? Nein! Das geht nicht von jetzt auf gleich; dafür muss man sich erst mal reinfühlen und den täglichen Ablauf in der Küche gedanklich durchspielen. 

Das heißt, Du hast auch gar keine Schemata, die Du aus der Schublade ziehen kannst, sondern jede Küche ist wieder ein eigenes Projekt für sich.

 

Ja, genau. Es gibt einen Punkt, den ich immer beachte: Ich komme in einen Raum rein und schaue, von wo arbeite ich am liebsten, sodass ich alles im Blick habe? Am einfachsten ist natürlich immer die Planung, bei der man zur Wand hin arbeitet.Aber will ich das? Will ich meinen Freunden zwei Stunden den Rücken zukehren? Nein, ich versuche immer das Geschehen im Blick und das Licht von vorne zu haben. Aber es gibt kein Schema F.

 

Irgendwann ist die Küche fertig. Aber Du bist danach immer noch für Deine Kunden erreichbar?

 

Ich möchte so sagen: Zu 90 % bin ich nicht nur für meine Kunden erreichbar, sondern es sind Freundschaften daraus entstanden. Ich werde auf private Feiern eingeladen, oder ich lade meine Kunden hier zu mir ein. Damit fühle ich mich dann wohl und weiß: Ich hab’s auch richtig gemacht. Ich will auch keine Massenfertigung! Ich will keine Küchen abarbeiten, sondern ich möchte mir die Zeit nehmen, ich möchte das Individuelle – das bringt den Spaß und die Wertschätzung hinterher. 


Letzte Frage: Ich habe nicht das nötige Kleingeld, um mir eine komplette SMEG-Küche zusammenstellen zu lassen. Bist Du dann trotzdem der richtige Ansprechpartner?

 

Ja. Ich helfe jedem. Wenn jetzt hier ein junges Pärchen reinkommt und nur eine günstige Küche kaufen kann, dann sag ich trotzdem: Ich helfe euch, wie ich kann. Und wenn ich nur eine Skizze entwerfe und sage: Okay, so würde ich mir das vorstellen. Das ist mir ganz wichtig. Denn wenn die irgendwann, in zehn Jahren oder fünfzehn Jahren, wiederkommen, dann haben die das nicht vergessen. Hier kann jeder reinkommen; hier wird jeder gleich behandelt. Helfen, wo man helfen kann!

 

Ein schöner Schlusssatz! Vielen Dank für die Einblicke in Deine Arbeit, Stefano. 


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